Was ein Family Office eigentlich ist

Ein Family Office bündelt die administrative, steuerliche und strategische Verwaltung des Vermögens einer (Single Family Office, SFO) oder mehrerer Familien (Multi Family Office, MFO). Es ist Infrastruktur: ein Punkt, an dem Bankberichte, Steuererklärungen, Beteiligungen, Immobilienverwaltung und Family Governance zusammenlaufen.

Was es nicht ist: ein Anlageberater (zumindest nicht ohne BaFin-Lizenz), eine Stiftung oder ein Lifestyle-Concierge. Die Mischformen am Markt sind vielfältig — aber in der Praxis lohnt es, klar zu unterscheiden.

Drei Schwellen, an denen Family Office sinnvoll wird

Schwelle 1: Komplexität, nicht Volumen

Die häufig zitierte 10-Millionen-Schwelle ist irreführend. Maßgeblich ist Komplexität: eine Familie mit 30 Mio. € in einem einzigen liquiden Depot braucht weniger Struktur als eine mit 8 Mio. €, verteilt auf operatives Unternehmen, Immobilien, internationale Beteiligungen und drei Generationen.

Schwelle 2: Generationenübergang in 5 bis 15 Jahren

Wer in absehbarer Zeit Vermögen an die nächste Generation übertragen will, profitiert massiv von einem strukturierten Setup. Vorweggenommene Erbfolge mit Nutzung der 10-Jahres-Freibeträge, Verschonungsabschlag bei Betriebsvermögen, Nießbrauchsmodelle — alle setzen eine geordnete Vermögensstruktur voraus.

Schwelle 3: Internationaler Familienverbund

Sobald Familienmitglieder in mehreren Ländern leben, wird Family Office zum Koordinationswerkzeug: Wohnsitze klären, DBA-Konstellationen managen, Erbansprüche grenzüberschreitend strukturieren. Frankfurter Familien mit Töchtern in London, New York und Genf sind keine Ausnahme — sie sind das Standardprofil unserer Mandate in dieser Größenordnung.

Single oder Multi-Family-Office?

Ein Single Family Office ist eine eigene Organisation mit angestellten Mitarbeitern, eigener Infrastruktur und vollem Branding. Wirtschaftlich rechnet es sich typischerweise erst ab Vermögen jenseits der 200-Millionen-Schwelle — wegen der Fixkosten von 1 bis 3 Mio. € pro Jahr.

Ein Multi Family Office ist ein Dienstleister, der mehrere Familien betreut. Geringerer Aufwand pro Mandant, aber auch weniger maßgeschneidert. Für viele Mandanten der pragmatische Mittelweg.

Die häufigste Form in unserer Praxis: SFO-artige Betreuungstiefe, organisiert über eine Steuerkanzlei mit MFO-artigem Setup. Sie sparen Fixkosten, behalten aber Diskretion und persönliche Betreuung. Wir kooperieren mit Vermögensverwaltern, Anwälten und Notaren.

Die rechtliche Bündelungseinheit

Häufige Konstellation: Eine vermögensverwaltende GmbH oder GmbH & Co. KG als zentrale Bündelung, mit speziellen Untergesellschaften für Immobilien, operative Beteiligungen und Auslandsvermögen. Stiftungen kommen ins Spiel, wenn:

  • Vermögen über Generationen gebunden werden soll,
  • Schutz vor Pflichtteilsansprüchen aufgebaut werden soll,
  • gemeinnützige Komponenten relevant werden (Förderstiftung, Familienstiftung).

Typische Fehler

  1. Zu früh strukturieren. Wer mit 3 Mio. € liquid eine GmbH & Co. KG aufsetzt, zahlt mehr Verwaltungskosten, als die Struktur an Steuern spart.
  2. Zu spät strukturieren. Wer den Generationenwechsel in zwei Jahren plant, hat keine Zeit mehr für die 7-Jahres-Behaltensfristen bei Verschonungsabschlag.
  3. Gewerbliche Infektion ignorieren. Vermögensverwaltende Holdings können durch zu aktive Beteiligungssteuerung gewerblich werden — mit Folge: Gewerbesteuer auf Holding-Ebene.
  4. Family Governance vergessen. Eine perfekte Steuerstruktur scheitert an Familienstreit. Familienverfassung, Pool-Vereinbarungen, Stimmrechtsregeln gehören zur Substanz.

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